Dazwischen
Freitag, 29. August 2025

Vor ein paar Tagen schrieb ich diesen Text, heute ist er fällig:

Hab mal ein Industriedenkmal besucht, in dem unechter Schmuck hergestellt wurde, so bis Anfang der Achtziger Jahre. Dort erzählte man uns, dass die Stahlmodellgraveure echte Rockstars waren. Papa hat mir dann heute von einem Schleifer erzählt, der so gut war, dass er Anfragen nach dem Polieren von billigstem Industriebesteck beleidigt abgelehnt hatte, weil das echt unter seinem Niveau war. Ich glaube, an meinem Selbstverständnis zu arbeiten ist der nächste Schritt.

Seit ich duschen war, und der Stahlstaub von meiner Körperoberfläche abgewaschen ist, fühle ich mich wieder wohl in meiner Haut. Ich bin kein Graveur, aber im Herzen ein Rockstar. Wenn ich eine Bühne sehe, zieht es mich hin und rauf und dort gehöre ich hin. Aus Gründen ist meine Karriere nie in die Gänge gekommen, mit circa zwölf Jahren war Schluss unter den Träumen.

Das ist auf der einen Seite schade, auf der anderen, weitaus schwerer wiegenden jedoch ein großer Segen. Im Verborgenen konnte ich so meinen Geist und das bestimmte Etwas schärfen, das mich ausmacht.

Meine Güte, das super sensitive Hautöl, das mich überzieht, riecht so gut, und fühlt sich dermaßen angenehm an, dass ich gerade bereit für Großes bin.

Ich liebe meine Arbeit, weil sie mir gezeigt hat, dass es möglich ist, Lösungen zu finden. Heute hab ich einem kleinen Patrick sein Bein wieder angeschweißt, sein virtueller, gelber Schwammfreund kann sich freuen. Ich liebe es, mich zu bemühen und dazu zu lernen.

Und dass es nur mein Vogelmann ist, der fehlt, das mag ich nicht so recht glauben. Sicher, heimzukommen vom Feld und in seine Augen zu sehen, das wäre nett. Aber ich kann warten, sehr gut sogar. Es liegt nicht daran, es zieht etwas in mir, gestern hab ich wieder ein kleines Bild gemalt, es ist mir schwer gefallen, weil es recht wenig abstrakt ist, ich wollte mein rotes Fahrrad zeichnen und den Zirkus, der mich als Kind so fasziniert hat. Schlecht ist es eh nicht geworden, es hat was. Könnte sein, dass mir jetzt drei Stunden fehlen, die nächste Seite zu machen. Müdigkeit ist ein Feind. Beim Stahl mit der Trennscheibe bearbeiten ist die Zeit extrem schnell vergangen, auf einmal war es Dreiviertel neun und ich bekam einen Zug nach Hause, und hab die Bim dann gerade so erwischt.

Jetzt sitz ich hier auf meinem tollen Klappbett und denke nach. Es ist ein Ziehen in mir, eine Sehnsucht. Die ist nicht geborgt, das ist ganz meine. Sport, das könnte gefehlt haben, auch, heute. Vielleicht ist es das. Oder, dass ich sein Bild gesehen hab. Der Vogelmann ist so schön.

Kennt ihr das, wenn man ein ungewolltes Mantra hat, das immer wieder kehrt? Bei ihm ist es immer 'für Dich tu ich alles.' anders als das alte 'was soll ich machen?' das früher in mein Gehirn spazierte, pausenlos. Daran erkenn ich die Liebe. Und an den Augen. Aber ich bin schon wieder bei der Liebe, da wollt ich doch gar nicht hin.

Jetzt weiß ich es, die Solitüde fehlt mir heute, das alleine sein. Wenn ich jetzt sofort zu Bett gehe, hab ich sie zu kurz gehabt. Ist es das? Es zieht und zieht und zieht. Jammere ich schon? Oder ist es nur eine Spurensuche?

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